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Korrupte Prüfer? Das Geschäft mit der Hauptuntersuchung

Korrupte Prüfer? Das Geschäft mit der Hauptuntersuchung
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Di, 03.11.2026 | 21:15 - 21:45

Gesellschaft (D 2026)

Es ist ein Qualitätsmerkmal für jedes Auto: der bestandene TÜV. Die Prüfplakette auf dem Nummernschild bedeutet, dass das Auto fahrtüchtig ist. Extra ausgebildete Prüfingenieure und -ingenieurinnen führen dafür in Deutschland jährlich rund 30 Millionen Hauptuntersuchungen durch. Im Auftrag des Staates sollen sie dafür Sorge tragen, dass die Autos auf den Straßen sicher sind. Doch was passiert, wenn die ihren Job nicht korrekt machen? Die NDR Reporter*innen Betül Sarikaya und Sulaiman Tadmory sind dieser Frage auf den Grund gegangen. Die Reportage zeigt, dass eine bestandene Hauptuntersuchung nicht in jedem Fall bedeutet, dass das Auto verkehrssicher ist. Im Gegenteil: Den Reporter*innen ist es gelungen, ein Auto mit "gefährlichen Mängeln" durch die Hauptuntersuchung zu bringen. Gegen einen Aufpreis – gezahlt an einen Werkstattmitarbeitenden, offenbar bestimmt für den Prüfer. Als Gegenleistung bekommen sie einen Prüfbericht der Organisation GTÜ: Das Auto habe nur "geringe Mängel". Und natürlich das Qualitätssiegel der Prüforganisationen: die Prüfplakette. Dabei hat der Prüfer das Auto gar nicht angeschaut. Zwar zeigt die Recherche, dass es sich bei den korrupten Prüfern um Einzelfälle handelt. Aber auch ein Einzelner kann großen Schaden anrichten. Das zeigt das verdeckte Interview mit einem Prüfer, der deswegen vor Gericht stand. In Hunderten Fällen soll er Autos nicht korrekt geprüft haben. Zum Teil hat er sie gar nicht erst angeschaut, sondern auf das Urteil der Werkstätten vertraut. Dabei hat er nicht mal Bestechungsgeld erhalten. Er sagt, er habe es aus Bequemlichkeit so gehalten. Er soll nun über drei Jahre ins Gefängnis. Gegen das Urteil hat er Revision eingelegt. "Die Strafandrohung für die Bestechlichkeit beginnt bei einem Minimum von sechs Monaten Freiheitsstrafe pro Tat. Und daher stellen wir fest, dass die Täter sehr bewusst abwägen", sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Dr. Henning Hadeler. Da Prüfer Amtsträger seien, wiege die Bestechlichkeit besonders schwer. Doch Einzelne würden trotzdem ins Gewicht fallen. "Wir haben Fälle, in denen nicht nur wenige Hundert, sondern zum Teil auch 1500 Fahrzeuge in einem Jahr nicht ordnungsgemäß geprüft wurden und dennoch die Prüfplaketten bekommen haben." "Schwarze Schafe gibt es leider in jeder Branche", sagt der Technische Leiter der Prüforganisation GTÜ, Marco Oehler. Er verweist auf ein rigoroses Qualitätsmanagement in der Branche. Es gäbe regelmäßig unangekündigte Nachprüfungen. Das berichten auch die anderen Organisationen auf Nachfrage. Außerdem schaue man sehr genau auf die Kennzahlen. "19 bis 20 Prozent der Fahrzeuge haben erhebliche Mängel", so Oehler. Und dann schaue man: Wo liegt die Quote des jeweiligen Prüfers? Dass die Reporter*innen gegen Geld den Bericht eines GTÜ-Prüfers erhalten haben, der dem chrottauto "geringe Mängel" attestiert, schockiert ihn. "Das ist skandalös. So jemand muss aus der Branche raus. Da gibt es überhaupt keine Diskussion."