unicato
Kultur (D 2026)
Während das Meer früher oft als bedrohlich galt, entwickelte es sich besonders seit dem 19. Jahrhundert zu einem Sehnsuchtsort für Urlaub und Entspannung. Darüber hinaus faszinieren Meere durch ihre große Artenvielfalt und ihre vielen unerforschten Bereiche. Ungewöhnliche Funde und unbekannte Meeresbewohner geben bis heute Anlass zu Spekulationen und Mythen über Seeungeheuer. Gleichzeitig sind Meere Lebensgrundlage für Milliarden Menschen – bieten Nahrung, Arbeitsplätze, Rohstoffe und sind wichtige Transportwege für den Welthandel. Durch Klimawandel, Verschmutzung und Überfischung werden die empfindlichen Ökosysteme der Meere jedoch zunehmend bedroht. Auch viele Küstenregionen und Inseln sind durch den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Umsiedlungen und damit einhergehender Heimat- und Identitätsverlust sind für die dort lebenden Menschen die Folge. In den Kurzfilmen dieser unicato-Ausgabe beschäftigen sich Filmschaffende auf unterschiedliche Weise mit dem Meer. Mit dem Dokumentarfilmer Florian Kunert sprechen wir über mystische Rituale und Globalisierung in seinem Film "Oh Brother Octopus". Darin zeigt er die besondere Verbindung zwischen indonesischen Seenomaden und Oktopussen. In dem dokumentarischen Kurzfilm "My super sea wall" von Gina Abatemarco werden wir Zeuge im Kampf der kleinen Inuit-Gemeinde von Kivalina vor der Küste Alaskas gegen den unaufhörlich steigenden Meeresspiegel. Mit der Filmemacherin und Künstlerin Juliane Ebner sprechen wir über ihren autobiografischen Film "Branden", über ihre Heimatstadt Stralsund in der DDR und der tödlichen Grenze zwischen Gefangenschaft und Strandbesuch. Im Spielfilm "Urlaubsversuche" fahren zwei Freundinnen zu einem gemeinsamen Urlaub an die Ostsee. Die beiden Filmschaffenden Paula Weise und Finn Ole Weigt zeigen im Film einen kleinen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit vieler heutiger Zwanzigjähriger: Alle Möglichkeiten stehen offen, doch keine scheint gut genug zu sein. Drehort für die unicato Sendung "Übers Meer" war das Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel. Filme in der Sendung: • "Oh Brother Octopus" von Florian Kunert (Dokumentarfilm, DE 2017, 27 min) Im Glauben der indonesischen Seenomaden besitzt jedes neugeborene Kind einen Zwillingsbruder in Form eines Oktopus'. Rituale sollen den Bruder im Wasser besänftigen und Unheil abwenden. Bleiben diese aus, droht eine apokalyptische Rache. Nach dem Bruch der Tradition glauben die Seenomaden, der Bau einer künstlichen Welt auf dem Wasser sei diese Rache. Damit ist ihre Lebensgrundlage in Gefahr. • "Urlaubsversuche" von Paula Weise und Finn Ole Weigt (Spielfilm, DE 2023, 16 min) Gen Z macht Urlaub – oder probiert es zumindest. Zwei Frauen, Anfang zwanzig, fahren an die Ostsee, doch Urlaubsstimmung kommt nicht auf. In einem Alter, in dem alles möglich scheint und dennoch keine Option genug motiviert, greift der Film das Lebensgefühl der Generation auf. In den abrupt wechselnden Dialogen zwischen Tiefgang und Oberflächlichkeit wird die Freundschaft der beiden Frauen auf die Probe gestellt. • "My Super Sea Wall" von Gina Abartemarco (Dokumentarfilm, DE 2009, 13 min) Kivalina ist eine Inuit-Gemeinde an der Spitze einer kleinen Insel im äußersten Westen von Alaska. Die 377 Bewohner von Kivalina sind weder für besondere kunsthandwerklichen Fertigkeiten noch für ihre alte Kultur bekannt, sondern weil sie die ersten US-amerikanischen Klimaflüchtlinge sind. My Super Sea Wall dokumentiert ihren Kampf ihre Häuser vor dem Meer zu retten, mit einer drei Millionen Dollar teuren Mauer aus Sandsäcken. • "Branden" von Juliane Ebner (Animationsfilm, DE 2013, 16 min) Ein Heimatfilm vom Ufer, das ein Todesstreifen war. Juliane Ebner wächst zu DDR-Zeiten in Stralsund auf. Ein Ort, der den Wunsch nach Freiheit symbolisiert, aber noch stärker an die Grenze erinnert. In ihrem autobiografischen Animationsfilm Branden macht Juliane Ebner dieses widersprüchliche Gefühl spürbar. Gäste in der Sendung: Juliane Ebner ist aufgewachsen in Stralsund und auf der Insel Rügen. Sie ist Künstlerin und Filmemacherin gemalter Animationsfilme, welche auf Tuschzeichnungen und eigenen Texten basieren. Juliane Ebner ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und des Deutschen Künstlerbundes. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen wie die Goldenen Lola. Paula Weise und Finn Ole Weigt haben bereits mehrere Filmprojekte als Regieduo entwickelt und umgesetzt. Schwerpunkt des Duos ist eine kritische und humoristische Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Themen. Darunter waren die Kurzfilme Fracht (2021), Asinus Cacaret (2022) und Gezielt Mittelalterliche Überlegungen (2024). Heute studieren beide Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln. In seinen Arbeiten sucht Florian Kunert die Schnittstelle zwischen persönlichen und großen gesellschaftlichen Fragen. Er fragt sich, welche Rolle alte Legenden und Glaubensweisen in unseren urbanen Landschaften und in Gesellschaften spielen, die mehr und mehr von Technologie geprägt sind. Dabei verbindet er performative und beobachtende Elemente mit stilisiertem Archivmaterial. Er studierte Dokumentarfilmregie an der Escuela Internacional de Cine y TV in Kuba und Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für "Oh Brother Octopus" gewann Kunert den Deutschen Kurzfilmpreis. Im Rahmen der Dreharbeiten lebte er ein Jahr lang in Indonesien.
- Übers Meer.
- "Oh Brother Octopus" von Florian Kunert (Dokumentarfilm, D 2017, 27 min).
- "Urlaubsversuche" von Paula Weise und Finn Ole Weigt (Spielfilm, D 2023, 16 min).
- "My Super Sea Wall" von Gina Abartemarco (Dokumentarfilm, D 2009, 13 min).
- "Branden" von Juliane Ebner (Animationsfilm, D 2013, 16 min).
