Migration – Wie erpressbar ist die EU?
Geopolitik (F 2022)
Gegen Finanzhilfen und Visavergaben bringt die EU ihre Anrainerstaaten dazu, Mauern und Grenzzäune zu bauen sowie Geflüchtete aufzunehmen, um sich selbst nicht um sie kümmern zu müssen. Durch die Zahlung mehrerer Milliarden Euro brachte sie die Türkei dazu, Millionen von syrischen Kriegsgeflüchteten an der Weiterreise nach Europa zu hindern. In Libyen stattet sie die Küstenwache mit Material und Technologien aus, um Geflüchtete aus Subsahara-Afrika auf dem Meer zu stoppen – und nimmt dabei in Kauf, dass einige von ihnen in Internierungslagern gefoltert werden. Weiter südlich, in Niger, das als Migrations-Hauptroute gilt, finanziert sie ein Programm zur Wiederansiedlung ("Resettlement") schutzbedürftiger Geflüchteter, die in Libyen gestrandet sind. Außerdem bildet sie die nigrische Grenzpolizei im Kampf gegen illegale Einwanderung aus. Eine weitere Entwicklung dieser Grenz- und Geopolitik: Dänemark möchte überhaupt keine Asylbewerber mehr aufnehmen und hat angekündigt, dem Beispiel Großbritanniens folgen zu wollen. London hatte versucht, illegale Einwanderer für rund 150 Millionen Euro nach Ruanda auszuweisen. Diese Menschen dürften weder nach Großbritannien zurückkehren noch einen Asylantrag stellen – ein Verstoß gegen internationales Recht. Diese Politik der Externalisierung verzeichnet allerdings kaum Erfolge. Zwar gibt sie vor, Migranten lange und gefährliche Wege zu ersparen, in der Realität sehen sich diese Menschen dann jedoch gezwungen, noch geheimere und gefährlichere Routen auf sich zu nehmen wie in Niger. Außerdem gibt die EU ihren Verhandlungspartnern dadurch eine gefährliche Waffe in die Hand: Indem die EU diesen Staaten die Kontrolle über die Migrationsrouten überlässt, übergibt sie ihnen im Grunde die Schlüssel zur "Festung". So macht sich die EU erpressbar und geht ein geopolitisches Risiko ein. Denn diese Staaten müssen nur einige Tausend Migranten zur europäischen Außengrenze durchlassen, um Panik zu verursachen. So ermutigte Belarus 2021 Tausende von Menschen, die Grenze zu Polen zu überqueren, ähnlich wie es zuvor in Marokko mit Spanien sowie der Türkei mit Griechenland geschah.
- Catherine Wihtol de Wenden (self, research director, Centre National de la Recherche Scientifique)
- Pascal Ausseur (self, general manager, Fondation Méditerranéenne d'Études Stratégiques)
- Selim Yenel (self, former Turkey's Ambassador to the EU)
- Gerald Knaus (self, chairman of the European Stability Initiative)
- Ömer Aslan (self, Turkish Red Crescent Movement)
- Saima (Self)
- Fatima (self, Saima's daughter)
- Taha al-Ghazi (self, Syrian human rights activist)
- Ylva Johansson (Self)
- Bünyamin Erdem (self, director, Kurubas Detention Center)
- Abdulsami Samadi (self, former Afghan military officer)
- Hamadou Adamou Souley (self, former Nigerien Minister of the Interior)
- Amadou Amarou (Self)
- Antje Pittelkau (self, director, Mission of EUCAP Sahel Niger)
- Sekou Keita (Self)
- Ibrahim (Self)
- Ali (Self)
- Milica Svabic (Self, human rights lawyer)
- Tanja Miscevic (self, Serbian minister of European Integration)
- Zalina Gasanhanova (self, border guard, European Border and Coast Guard Agency)
- Götz Brinkmann (self, Director of International and European Cooperation Division, Frontex)
- Chris Jones (self, executive director, Statewatch)
- Kasper Sand Kjær (self, Danish politician, Social Democrats)
- FSK o.A.
