Kultfigur Kasperl – König der Narren
Theater (A 2022)
"Kinder, seid ihr alle da?" "Jaaa!" tönt es aus vielen Kinderkehlen. Denn den Kasperl "daschlogt kaner" – zumal, wenn ihn Universalimpresario André Heller rettet. 2018 kaufte Heller die legendäre Puppenbühne in der Wiener Urania, die – 1950 vom Ehepaar Hans und Marianne Kraus gegründet – kurz vor der Schließung stand. Nun sei der Fortbestand der Kultpuppen um Kasperl & Pezi für die nächsten 150 Jahre gesichert. In seiner Doku macht sich Regisseur Christian Hager auf Spurensuche nach den Ahnen des Kasperl: der buntgekleidete Arlecchino der Commedia dell'arte genoss buchstäblich Narrenfreiheit. Je mehr er gen Norden wanderte, desto mehr legte er seine Eleganz ab: Sein alpenländisches Pendant war ein derber Stierschneider, sein Wiener Ableger, der Hanswurst, war ordinär und versoffen – und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen so populär. Unter den strengen Zensurvorschriften Josephs II lernte der Kasperl Manieren. Die Kasperpuppe wurde im 20.Jahrhundert vielfach vereinnahmt: von Kriegstreibern, Sozialisten und den Nazis.
